Das Erlebnis des Vorlesens

img6Das Vorlesen ist für die Sprachentwicklung Ihres Kindes endorm wichtig. Nehmen Sie sich dafür regelmäßig Zeit. Machen Sie das Vorlesen zu einem Erlebnis für Ihr Kind und für sich selber. Sorgen Sie für eine entspannte Atmosphäre. Schalten Sie Handy, Radio oder Fernseher aus. Machen Sie es sich zusammen mit Ihrem Kind gemütlicht. Sofas oder kuschelige Leseecken sind besonders bequeme Plätze für gemeinsame Lesemomente!

Bilderbücher beflügeln die Fantasie, wecken Neugierde und Wissensdurst, fördern die Geschicklichkeit, stärken die Beziehung und schaffen Augenblicke der Geborgenheit. Bilderbücher ermgölichen unvergessliche Vorlese-Erlebnisse! 

Passende (Bilder)Bücher für jedes Alter finden Sie bei uns in der Mediathek!

Die Schritte der Leseentwicklung vor dem „Lesenlernen“ hat Christine Kügerl in einem interessanten Artikel im Magazin bn bibliotheksnachrichten veröffentlicht. Mit Erlaubnis der Herausgeber Österreichisches Bibliothekswerk teile ich diesen Text gerne auf dieser Seite. Da es sich um einen längeren Beitrag handelt, ist er auf mehrere Teile aufgeteilt. In diesem Beitrag finden Sie Teil 2, hier finden Sie Teil 1.


Lese-Schritte / Teil 2

Entwicklungsschritte im Kindergartenalter (4. bis 6. Lebensjahr)

Ihren Wortschatz und die Grammatik erweitern Kinder in dieser Zeit sehr stark. Mit vier Jahren haben die meisten Kinder die Grundbegriffe begrifffen und setzen sie richtig ein.

Sie erkennen, dass eine Situation für einen anderen Menschen anders aussehen kann als für sie selbst. Sie können die Perspektive wechseln. Dies ermöglicht einerseits das Einfühlungsvermögen und macht Kinder andererseits total neugierig. „Wie kann etwas noch sein?“ – „Warum ist etwas so und nicht anders?“ – „Wozu ist etwas gut?“. Das Fragealter beginnt und viele Erwachsene bekommen dein Eindruck, dass das Kind ihnen ein Loch in den Bauch fragt.

Aus den Zwei-Ereignis-Geschichten werden die sogenannten Froschsprung-Geschichten. Wie ein Frosch springt das Kind in der Erzählung von einem Ereignis zum nächsten, ohne auf einen Zusammenhang zu achten. Wenn sie z.B. mit Papa von einem Ausflug nach Hause kommen, wird zuerst erzählt, dass sie Eis gegessen haben. Darauf folgt, dass die Kühe auf der Weide sehr groß waren und Gras gefressen haben. Danach wird noch mitgeteilt, dass Paul die Schaukel nicht teilen wollte. Im realen Ablauf was das Eis essen am Schluss.

Die „magischen Jahre“ beflügeln die Phantasie

In die Kindergartenzeit fallen die „magischen Jahre“. Das Gehirn des Kindes kennt schon sehr viel und stellt nun selbstständig Verknüpfungen her. Im Kopf des Kindes entstehen Phantasien. Auch in reale Gegenstände, Pflanzen oder Tiere denkt das Kind etwas hinein. So ist z.B. der Gummibaum auf einmal „böse“ und muss weggestellt werden. (Hinweis für Eltern: Wenn Wegstellen nicht geht, kann man eine Fee basteln und in den Blumentopf stecken. Die kann auf den Gummibaum aufpassen und dann passiert sicherlich nichts.)

Dieses magische Denken wirkt sich beim Bilderbuchanschauen einerseits so aus, dass sich Kinder nun für mehr Geschichten interessieren, selbst zu den Bildern erzählen wollen, und andererseits auf einmal vor Bildern Angst bekommen, denen sie vorher kaum Beachtung geschenkt haben. Im Laufe von ca. drei Jahren erkennen die Kinder Schritt für Schritt den Unterschied zwischen ausgedachten Bildern bzw. Geschichten und realen Erlebnissen.

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Vom Kritzeln zum Schreiben

Mit zunehmender Fingerfertigkeit starten Kinder erste Schreibversuch in „Kritzelschrift“. Manche zeichnen bereitwillig neben dem Kritzelzeichen dazu, was dieses bedeutet. Im 6. Lebensjahr interessieren sich viele Kinder für ihren Namen und wollen diesen schließlich selbst schreiben. Bei anderen Kindern kommt dieser Entwicklungsschritt erst im ersten Schuljahr.

Nun erkennen Kinder einzelne Buchstaben. So steht der 5-jährige Felix im Zug beim Fenster und sagt bei einer Bahnstation: „Da ist mein zweiter Buchstabe drei mal.“ Er erkannte im Wort „Wörtersee“ das E dreimal. „Aber der letzte Buchstabe steht nirgends“, beschwerte er sich später. Da deutet seine Mutter auf die Anzeige im Zugabteil. Und wirklich, bei „next stop“ sah Felix dann das X, den letzten Buchstaben seines Namens. So abwechslungsreich, spontan und unterhaltsam ist Lesen in dieser Zeit. 

So gehen Kinder schließlich mit gut entwickelten „Vorläuferfähigkeiten“ an das Lesen-Lernen in der Schule.

Entwicklungsschritte und WegbegleiterInnen

Jedes Kind hat das Bedürfnis, sich bestmöglich zu entwickeln. So wie beim Gehen mit den Beinen kommt auch beim Setzen der Leseschritte der Umgebung eine wesentliche Bedeutung zu. Wachsen Kinder in einer sprech- und lesefreudigen Umgebung auf, haben sie genug Angebot und Anregung, ihre eigenen Entwicklungsschritte zu machen. Besteht Mangel an Gesprächstpartnern und Büchern sowie an gemeinsamer Zeit zum Bilderbuchanschauen, dann steht die Entwicklung von Lesefreude und Lesefähigkeit für Kinder unter schwierigeren Vorzeichen. Wird zu intensiv auf Kinder eingeredet, werden sie zu rasch oder zu sehr mit Büchern bedrängt bzw. gar zum Lesen gezwungen, dann erschwert dies ebenfalls ihre Entwicklung.

Einen hilfreichen Mittelweg gehen Eltern und Erziehungspersonen, wenn sie selbst ein gutes Vorbild sind und aufmerksam wahrnehmen, mit welchem Entwicklugnsschritt das Kind gerade befasst ist. Wenn sie erkennen, was das Kind interessiert, wo es im Sprach- und Leseerwerb gerade steht, dann können sie als hilfreiche Gesprächst- und Spielpartner sowie als VorleserInnen die Entwicklungsschritte des Kindes aktiv unterstützen.

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