Neuzugänge Juni 2017

In diesem Monat haben wir ganz besondere Prosa-Perlen aus Österreich und dem deutschsprachigen Raum für Sie in den Verleih aufgenommen. Alle Titel stehen ab sofort für Sie zur Verfügung!

Roman:

9783709972144&width=35Walter Grond – Drei Lieben

Von der mondänen orientalischen Metropole Baku ins Paris der 1920er Sommer 1917: Hermann Opitz beschließt, sein altes Leben hinter sich zu lassen, sein Heimatdorf, seine Ehe – und meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst. Ein Jahr später strandet er in Baku, das in den Jahren des Ölbooms zur mondänen orientalischen Metropole geworden war, und begegnet dort Jale, der Tochter eines Ölbarons. Wenig später gerät das junge Liebespaar in die Wirren der Russischen Revolution und flieht nach Paris. Spurensuche in der Familiengeschichte und das Glück der Verbundenheit Zwei Generationen später begibt sich der Enkelsohn von Hermann Opitz auf eine Spurensuche in der Geschichte seiner Familie. Er erkundet das Leben seiner Großeltern, die ihm stets wie die modernen Erben von Philemon und Baucis in Erinnerung waren; er besucht das Heimatdorf seines Großvaters, wo ihm seine Tante Sophie von ihrem Leben und Lieben im Wien der Nazi-Jahre erzählt; und schließlich begegnet er Rita, an deren Seite er das Glück der Verbundenheit erlebt, das er einst in den Augen seiner Großeltern gesehen hat – und gleichzeitig zu ahnen beginnt, dass das private Glück untrennbar mit den Zeitläuften der Weltgeschichte verknüpft ist. Drei Liebesgeschichten vor dem Panorama der Weltgeschichte Schlicht und unsentimental erzählt Walter Grond die Geschichten dreier Liebespaare, die auf rätselhafte Weise ineinander verwoben sind – und lässt zugleich die grenzenlose Kraft der Liebe spürbar werden, die unbeirrt von allen Schrecken der Geschichte des 20. Jahrhunderts wirkt.

Zum Autor: Walter Grond lebt in der Wachau und Wien. Seit 2009 ist Grond der Künstlerische Leiter des Literaturhauses Europa und der Europäischen Literatur.


9783518425459&width=35Anna Kim – Die große Heimkehr

Seoul, im April 1960. Johnny Kim, seine Geliebte Eve Moon und sein bester Freund aus Kindertagen Yunho Kang sind auf der Flucht vor der berüchtigten Nordwest-Jugend, einer antikommunistischen, paramilitärischen Schlägertruppe im Dienst der Regierung Südkoreas. Diese steht kurz vor dem Zusammenbruch, seit Wochen geht die Bevölkerung gegen den autokratischen Präsidenten Rhee auf die Straße. Gemeinsam wagen Johnny, Eve und Yunho die illegale Überfahrt nach Japan und finden Unterschlupf und Arbeit im koreanischen Viertel Osakas. Doch schon bald werden sie von ihrer Vergangenheit eingeholt: Ein Mädchen ist verschwunden, und der Verdacht fällt auf Johnny Spionagegeschichte, politischer und historischer Roman in einem, handelt Die große Heimkehr von Freundschaft, Loyalität und Verrat, vom unmöglichen Leben in einer Diktatur. Das Buch erzählt von den Folgen der Teilung der koreanischen Halbinsel und den Anfängen des heutigen Nordkorea, als die Gewaltherrschaft Kim Il Sungs noch in den Kinderschuhen steckte. Und es stellt sich der Frage: Wem gehört Geschichte? Den Siegern, die Archive verschließen und Dokumente schwärzen? Oder dem Einzelnen, der seine Erfahrungen von Verlust und Verlorenheit an andere weitergibt, Verlierer wie er selbst?

Zur Autorin: Anna Kim ging 1979 mit ihrer Familie nach Deutschland und schließlich weiter nach Wien, wo sie seit 1984 lebt. Für ihren Roman “Anatomie einer Nacht” erhielt Kim zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, u.a. den Literaturpreis der Europäischen Union 2012.


9783835330450&width=35Luise Maier – Dass wir uns haben

Dieser Roman ist ein Kammerspiel mit vier Beteiligten. Eine Familie: Mutter, Vater, der Bruder, die kleine Schwester. In kurzen Sequenzen erinnert sich die Schwester an das Familienleben. so alltäglich wie existentiell. Von eindringlichster Nähe ist die Rede und von sprachloser Distanz. Dass es unter der Oberfläche brodelt, lässt sich schnell erahnen. Ein Aufeinanderbezogensein und ein Sich-Verlieren der Familienmitglieder werden diskret sichtbar gemacht, die Sehnsucht nach Zärtlichkeit ebenso wie die Erfahrung von Gewalt. Und als die Familie schließlich zerbricht, zeigt sich, dass trotz aller äußerlichen Veränderungen niemand leicht aus seiner Rolle kommt. Was das Mädchen erlebt, liegt oft außerhalb seines Fassungsvermögens, die kunstvolle Schmucklosigkeit, mit der die Autorin erzählt, gibt der Geschichte ihre ungeheure Kraft.

Zur Autorin: Luise Maier wuchs in Vilshofen auf und lebt heute in Biel/Bienne, wo sie am Schweizerischen Literaturinstitut Biel/Bienne studierte. “Das wir uns haben” ist ihr Debüt.


9783903005259&width=35Ulrike Schmitzer – Die Stille der Gletscher

Grüne Gletscher und gestohlenes Wasser. In den eisigen Höhen der Alpen stößt eine Fotografin auf ein Geheimnis. Während sie für eine Umweltschutzorganisation historische Gletscherfotos mit neuen Aufnahmen vergleicht, wird bald klar: Das Schmelzen der Gletscher liegt nicht nur am Klimawandel. In einem kauzigen Archäologen, einem agilen Professor und ihrem in Island lebenden Sohn findet sie Verbündete für ihre Nachforschungen. Als dann plötzlich eine Biologin spurlos verschwindet, sind sie den Drahtziehern der Verschwörung schon dicht auf den Fersen.

Zur Autorin: Ulrike Schmitzer studierte Publizistik und Kunstgeschichte und arbeitet als Wissenschaftsredakteurin bei Ö1. Schmitzer gilt als Expertin für die spannende literarische Bewältigung von Sachthemen. Für “Es ist die Schwerkraft, die uns umbringt” erhielt sie den Sonderpreis des Staatspreises für Wissenschaftspublizistik 2016.


Ohne Abbildung:

Friederike Gösweiner – Traurige Freiheit

Am Anfang steht der Entschluss zur Flucht nach vorn: Um in Berlin als Journalistin durchzustarten, nimmt Hannah die Trennung von Jakob in Kauf. Ein Volontariat soll den Einstieg in die Karriere bringen, aber anstatt sich aus ihrer prekären Lage befreien zu können, schlittert Hannah immer weiter in eine Lebenskrise. Alles schein ihr zu entgleiten, Karriere und feste Verhältnisse lassen auf sich warten, bis eine zufällige Begegnung sie neuen Mut fassen lässt. Doch was daraus wird ist ungewiss – so wie alles andere auch. Wenigstens gibt es Miriam, Hannahs beste Freundin, und Skype, denn Miriam lebt in Moskau.
Auch so kann sich Freiheit anfühlen: wie ein endloser Fall in die Tiefe. Präzise und konzentriert erstellt Friederike Gösweiner ein Psychogramm aus dem Prekariat und erzählt zugleich von den Verhältnissen, vom Leben jenseits aller Sicherheiten, vom Bewusstsein einer neuen „verlorenen Generation“

Zur Autorin: Friederike Gösweiner studierte Germanistik und Politikwissenschaften und lebt als freie Lektorin und Literaturkritikerin in Tirol. Für “Traurige Freiheit” erhielt die Autorin den Österreichischen Buchpreis in der Kategorie Debüt.


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Bibliotheksnachrichten Buchempfehlung

Unterleuten

Kämpfe, Allianzen und Intrigen. Auch vor kriminellen Handlungen wird nicht zurückgeschreckt in Unterleuten, denn jeder will seine Interessen durchsetzen.

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Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf „Unterleuten“ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …

Es ist wirklich bewundernswert, wie gekonnt Juli Zeh ihre Akteure miteinander in Beziehung setzt, deren Charakter schildert und die Handlung ungemein spannen vorantreibt. Der vieldiskutierte Roman liest sich wie ein Thriller und geht weit über eine moderne “Dorfgeschichte” hinaus.

Ingrid Kainzner

Neuzugänge Belletristik

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Für eine gute Pointe gab Dovele schon immer alles. Als Kind lief er oft auf den Händen. Er tat das, um seine Mutter zum Lachen zu bringen und damit ihm keiner ins Gesicht schlug. Heute steht er ein letztes Mal in einer Kleinstadt in Israel auf der Bühne. Er hat seinen Jugendfreund, einen pensionierten Richter, eingeladen. Im Laufe des Abends erzählt der Comedian zwischen vielen Witzen eine tragische Geschichte aus seiner Jugend. Es geht um Freundschaft und Familie, Liebe, Verrat und eine sehr persönliche Abrechnung auf dem Weg zu einer Beerdigung. Dem Kleinstadtpublikum ist das Lachen vergangen.

Den Leser hält David Grossman mit diesem grandiosen Roman bis zur letzten Zeile gefangen.


CovergrafikEin Flüchtling betritt die Ausländerbehörde, um ein letztes Mal seine zuständige Sachbearbeiterin aufzusuchen. Er ist wütend und hat nur einen Wunsch: dass ihm endlich jemand zuhört. Als Karim drei Jahre zuvor von der Ladefläche eines Transporters ins Freie springt, glaubt er in Frankreich zu sein. Bis dorthin hat er für seine Flucht aus dem Irak bezahlt. In Wahrheit ist er mitten in der bayerischen Provinz gelandet. – Er kämpft sich durch Formulare und Asylunterkünfte bis er plötzlich seinen Widerruf erhält und abgeschoben werden soll. Jetzt steht er wieder ganz am Anfang. Dieser ebenso abgründige wie warmherzige Roman wirft eine der zentralen Fragen unserer Gegenwart auf: Was bedeutet es für einen Menschen, wenn er weder in der Heimat noch in der Fremde leben darf?


CovergrafikFiliz wächst in einem kurdischen Dorf in der Türkei auf. Sie ist zwölf, als sie sich in den um wenige Jahre älteren Yunus verliebt und mit ihm von einem gemeinsamen Leben im Westen träumt: »Wie wollen wir leben, Yunus?« »In Jeans. Wir werden Jeanshosen tragen. In Deutschland.« Mit fünfzehn heiratet sie Yunus heimlich und gegen den Willen ihres Vaters. Doch mit der Hochzeit platzen auch die Träume von Freiheit und Autonomie: Statt Jeans trägt Filiz jetzt Burka; gemeinsam mit den drei Kindern, die in dieser Ehe geboren werden, ist sie der körperlichen und seelischen Brutalität ihres Mannes und ihrer Schwiegermutter ausgesetzt. Daran ändert auch die Emigration der Familie in den Westen nichts – vorerst. Denn nach einer neuerlichen Eskalation der Gewalt gelingt Filiz das vermeintlich Unmögliche: die Befreiung aus physischer und psychischer Abhängigkeit. Katharina Winklers Debütroman Blauschmuck beruht zur Gänze auf wahren Begebenheiten. Er macht die Abgründe von Abhängigkeit und brutaler Unterdrückung anschaulich und erzählt vom Leben einer Frau, in dem Liebe und Gewalt nicht nur untrennbar, sondern nicht mehr zu unterscheiden sind.