Bibliotheksnachrichten Buchempfehlung

9783871341687&width=70Doris Knecht – Alles über Beziehungen

Roman

285 Seiten

Viktor ist ein Mann mit durchschnittlichen Problemen: Er wird demnächst fünfzig, er hat hohen Blutdruck, fünf Kinder, zwei Exfrauen und eine Lebensgefährtin, die nicht immer so glücklich wie er selbst damit ist, dass er gerade Festival-Intendant wurde. Und er hat eine heimliche Leidenschaft: noch mehr Frauen. Viktor fühlt sich interessant und wie scharf gestellt durch die Frauen, mit denen er Sex hat: Josi und Helen, Anja, Camille, Lisbeth und noch ein paar andere. Die Frauen wiederum haben ihre eigenen Geschichten und entsprechende Gründe, warum sie sich mit einem wie Viktor einlassen oder auch nicht mehr. Magda, seine Lebenspartnerin, die endlich geheiratet werden will, ahnt davon nichts, und so schwebt über allem eine große Bedrohung: dass Viktor auffliegt und all seine schönen Rechtfertigungen und feinen Begrifflichkeiten von Treue, Komplizenschaft und Loyalität gleich mit. Denn: Was ist das, Treue? Ist jedes Fremdgehen auch ein Betrug? Und: Existiert etwas Derartiges wie eine perfekte, glückliche, ehrliche Beziehung überhaupt?
Doris Knecht erzählt furchtlos, manchmal frivol, stets aber extrem unterhaltsam von Viktor und den Frauen und verrät im mitreißenden Knecht-Sound nebenher viel darüber, wie moderne Menschen lieben und was passiert, wenn sie damit aufhören.

Spritzig, böse und schnoddrig erzählt, Wortwitz und Kalauern nicht abgeneigt, sprachlich und kommunikationstechnologisch auf der Höhe der Zeit, allerdings auch mit etlichen Längen und zum Teil mehr behauptend als darstellend bzw. erzählend. Der Titel führt auch ein bisschen in die Irre. Trotzdem: ein intelligentes Lesevergnügen – nicht nur für Frauen!

Fritz Popp


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9783890294759&width=70Stephan Orth – Couchsurfing in Russland

Wie ich fast zum Putin-Versteher wurde

249 Seiten

Nach Couchsurfing im Iran ist Stephan Orth wieder als Couchsurfer unterwegs. Diesmal entführt er uns nach Russland und schildert auf unterhaltsame Weise seine Erlebnisse zu Land und Leute.

Was ist Propaganda, was ist echt? Über keinen Teil der Erde ist die Informationslage verwirrender als über Russland. Da hilft nur: hinfahren und sich sein eigenes Bild machen. Zehn Wochen lang sucht Bestsellerautor Stephan Orth zwischen Moskau und Wladiwostok nach kleinen und großen Wahrheiten. Und entdeckt auf seiner Reise von Couch zu Couch ein Land, in dem sich hinter einer schroffen Fassade unendliche Herzlichkeit verbirgt.

Ein unvoreingenommener Reisebericht, der helfen kann, den medial geprägten Mainstream ein wenig zu differenzieren. Er bietet Landeskunde, soziokulturelle Hintergründe und aktuelle Tatsachenberichte mit guten Tipps aus erster Hand. Abwechslungsreich, interessant, spannend und sehr witzig erzählt. Absolut empfehlenswert!

Christoph Stitz


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Unterleuten

Kämpfe, Allianzen und Intrigen. Auch vor kriminellen Handlungen wird nicht zurückgeschreckt in Unterleuten, denn jeder will seine Interessen durchsetzen.

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Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf „Unterleuten“ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist …

Es ist wirklich bewundernswert, wie gekonnt Juli Zeh ihre Akteure miteinander in Beziehung setzt, deren Charakter schildert und die Handlung ungemein spannen vorantreibt. Der vieldiskutierte Roman liest sich wie ein Thriller und geht weit über eine moderne “Dorfgeschichte” hinaus.

Ingrid Kainzner

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Weil ich es dir nicht sagen konnte

Vom Schatten des Schweigens zur befreienden Wahrheit

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Sprache ist Ausdruck von Seele und Geist. Und was ist, wenn Sprache fehlt? Jeder von uns kennt das: Man hat einen Gedanken, ein Gefühl, eine Befürchtung, man will sich mitteilen und bringt kein Wort heraus. Aus Angst vor der Reaktion des Gegenübers, aus Scham, oder weil man seinen Gesprächspartner nicht überfordern oder gar verletzen will. Wie groß der Schaden ist, den diese Sprachlosigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen mitunter anrichtet, wird häufig erst zu spät erkannt.Warum belastet uns Unausgesprochenes so schwer? Wie kann man lernen, sein eigenes Schweigen zu brechen? Wo kann man den Weg zur Wahrhaftigkeit finden? Und wo den Mut, offen und damit angreifbar zu sein?In vielen Beispielen aus seiner langjährigen Erfahrung als Therapeut erklärt Uwe Böschemeyer, wo Schweigen guttut und wo man gerade dann, wenn die Worte fehlen, etwas sagen sollte


Rat und Hilfe bei Sprachlosigkeit



Böschemeyer empfiehlt mehr Mut zur Wahrhaftigkeit. Damit könnten wir nicht nur unsere eigenen Situation spürbar entlasten, sondern auch einen “Beitrag zu mehr Humanisierung in unserer Gesellschaft leisten”.


Ein leicht lesbarer und doch wertvoller Ratgeber!


Uschi Pirker

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Der letzte Pilger – Kriminalroman

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Oslo, 2003: Kommissar Tommy Bergmann muss im Fall des ermordeten Carl Oscar Krogh ermitteln, einem betagten ehemaligen Widerstandskämpfer. Er sieht einen Zusammenhang mit dem Fund von 3 Skeletten kurz zuvor – vermutlich die Verlobte, die Tochter und das Dienstmädchen eines norwegischen Nazis.

Agentenkrimi im kalten Norden in der Zeit des Nationalsozialismus und heute

Man ist überrascht, wie viele Möglichkeiten einem beim Lesen durch den Kopf gehen, wer mit wem warum etwas vorhat. Freund und Feind sind schwer auszumachen und das Lesevergnügen nimmt von Seit zu Seite zu. Und die literarische Qualität geht weit über durchschnittliche Unterhaltungsqualität hinaus.

Michael Wildauer

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Wenn der Nagekäfer zweimal klopft –

Das geheime Leben der Insekten

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Der britische Biologe Dave Goulson unternimmt eine Expedition auf den Planeten der Insekten genauer auf die Blumenwiesen rund um sein marodes französisches Landhaus. Die Helden seiner Feldforschungsabenteuer sind nicht nur Bienen und Hummeln, sondern alles, was kreucht und fleucht: Grillen, Grashüpfer, Glühwürmchen und Libellen, denen beim Liebemachen zuzusehen eine Freude ist. Goulson taucht dabei so tief ins Reich der Tiere ein wie kaum jemand zuvor. Ein Buch, das die entscheidende Bedeutung von Insekten für unsere Umwelt und das ganze globale Ökosystem beleuchtet. Und ein Weckruf, die Nutzung von Insektiziden zurückzufahren, um das Sterben der Bienen und anderer Bestäuber zu stoppen.

Vom großen Krabbeln auf einer Blumenwiese

Ironische Rückblicke auf seine Kindheit und Studienzeit, Anekdoten aus seiner Feldforschung und die Schilderung der Pannen bei der Renovierung seines alten Landhauses verleihen dem Lesevergnügen zusätzliche Würze. Aber auch ernste Töne schlägt der Autor an, wenn er auf die vielen Umweltsünden der Menschen zu sprechen kommt, die für eine drastische Dezimierung der Artenvielfalt sorgen. Ein Lesevergnügen der besonderen Art!

Simone Klein